Interview mit dem Bürgermeister

1 02 2008

(hc – Christina Neumann, Bastian Becker) Unser Bürgermeister, Herr Jürgen Lohmann, hat sich für die Redaktion der Jugendseite Zeit genommen, um ein kleines Interview durchzuführen. Wir haben ihm Fragen zu seiner Jugend und der Situation der Jugendlichen in Herzebrock-Clarholz gestellt.

Red.: Was haben Sie in Ihrer Jugend gerne gemacht? Waren Sie in einem Verein?
Mein Vater war Handballtrainer einer Jugendmannschaft, und so bin ich mit dem Handball sozusagen aufgewachsen. Ab meinem 10. Lebensjahr habe ich dann aktiv im Verein gespielt.

Red.: Wo haben Sie sich mit Ihren Freunden getroffen bzw. was haben Sie mit Ihnen unternommen?
Ich habe mich mit meinen Freunden überwiegend draußen getroffen, Fußball gespielt und geredet. Wir hatten aber auch die Möglichkeit uns ab und zu in der Werkstatt meiner Eltern oder bei uns im Haus aufzuhalten.

Red.: Stellen Sie sich vor, Sie wären in unserem Alter. Wie würden Sie Ihre Freizeit innerhalb der Gemeinde gestalten?
Sicherlich würde ich meine Freizeit nutzen um Sport in einem Verein zu treiben. Red.: Haben Ihrer Meinung nach Jugendliche in Herzebrock-Clarholz ausreichend Möglichkeiten, etwas zu unternehmen? (Treffpunkte, Veranstaltungen) Es wird wohl nie ausreichend Möglichkeiten und Orte geben, wo Jugendliche sich treffen können. Dafür gibt es einfach viel zu unterschiedliche Interessen auf die man nicht alle eingehen kann. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Jugendlichen in unserer Gemeinde viele Möglichkeiten haben etwas zu unternehmen. Beispielsweise bieten die Jugendhäuser und Vereine viele Möglichkeiten.

Red.: Wo sehen Sie den Auslöser der Streitereien zwischen Jugendlichen und Erwachsenen in unserer Gemeinde und was können wir Jugendlichen tun, damit es weniger Auseinandersetzungen mit den Erwachsenen (Anwohnern, Polizei) gibt?
Der Grund für einen Großteil der Streitereien sind Jugendliche, die Plätze und Anlagen unsauber hinterlassen und viel Lautstärke produzieren. Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Anwohnern / Ordnungskräften gab es bei uns bisher nicht. Man kann dieses Thema jedoch nicht verallgemeinern. Unstimmigkeiten treten überall dort auf, wo verschiedene Generationen und deren Interessen aufeinander treffen. Das war schon immer so. Genau deshalb setzen wir beispielsweise Ordnungskräfte ein, die die Interessen der jeweiligen Menschen berücksichtigen und dementsprechend handeln, um Ungerechtigkeiten und Streitereien zu vermeiden. Auseinandersetzungen können einfach vermieden werden, indem man jeweils für die Position des anderen etwas Verständnis aufbringt.

Red.: Haben Sie in naher Zukunft vor, mehr Freizeitangebote für Jugendliche anzubieten?
Die Gelder lassen es momentan nicht zu, mehr Freizeitangebote für Jugendliche zu organisieren. Jedoch gibt es genug Plätze, wo sich Jugendliche ab einem gewissen Alter auch ohne Aufsichtspersonen aufhalten können, wie z.B. auf der Rasenfläche hinter der Turnhalle um Fußball zu spielen, oder dem Skaterpark um Skateboard zu fahren.

Red.: Haben Sie Kinder oder Enkelkinder?
Beides! Meine beiden Kinder sind 27 und 29 Jahre alt und ein Enkelkind habe ich auch; das ist gerade ein halbes Jahr alt.

Red.: Gibt es etwas, was Sie abschließend den Jugendlichen in unserer Gemeinde sagen möchten?
Ich finde, Jugendliche unserer Gemeinde sollten die Chancen nutzen, mit den „Erwachsenen“ in den Dialog zu treten, z.B. beim Runden Tisch zur Jugendsituation. Leider scheinen viele Jugendliche an einem Austausch nicht besonders interessiert zu sein, denn viele Möglichkeiten werden nicht genutzt oder müssen mangels Beteiligung aufgegeben werden (Bsp.: Jugendparlament). Jugendliche sollten nicht nur Ansprüche stellen, sondern sich auch für ihre Wünsche einsetzen, z.B. in der Jugendarbeit oder in Vereinen. Die Jugend soll mitwirken, sie ist unsere Zukunft. Ich versuche ihnen zu helfen, ihre Wünsche zu erfüllen und die Chancen aufzubauen, die sie brauchen. Im Übrigen möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass es in Herzebrock-Clarholz schon viele Jugendliche gibt, die sich in vorbildlicher Weise engagieren.

Red.: Vielen Dank für das Gespräch Herr Lohmann.
Ich bedanke mich für euer Interesse.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an unseren Bürgermeister Herrn Lohmann für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen.





Warum ist es so schwer, dass Jugendliche & Erwachsene zusammenkommen?

1 11 2007

(hc – ke) Erfahrungsbericht eines (erwachsenen) Betroffenen
10. Oktober 2007: Heute ist der Termin für den „Runden Tisch zur Situation der Jugend“. Ich freue mich auf einen regen Gedankenaustausch mit den Jugendlichen, um mich von ihren Ideen inspirieren zu lassen und sie mit Rat und Tat zu unterstützen. Dieser Vorsatz gilt nicht nur für mich, sondern auch für die anderen Teilnehmer (Erwachsenen), die sich an diesem Tag eingefunden haben. 17:00 Uhr ist als Zeit festgelegt worden. 30 Minuten sind vergangen und kein Jugendlicher hat den Weg zu uns gefunden. Im Vorfeld vier bis fünf Absagen, aber damit muss man leben. Enttäuschung macht sich unter den Erwachsenen breit.

Es fallen Aussagen, wie „Wir wollen die Jugendlichen doch unterstützen. Warum verstehen sie das nicht? Warum interessiert sich keiner für diesen „Runden Tisch“? Was ist los?“ Nach etwas mehr als einer halben Stunde betritt der erste Jugendliche, der einzige für diesen Abend, den Raum. Es stehen so interessante Themen auf der Tagesordnung, wie Beachvolleyballplatz, Shuttle-Bus- Fahrt und noch jede Menge Platz für andere Ideen von Jugendlichen. Nun sitzen wieder sechs Erwachsene zusammen und machen sich Gedanken über die Belange der Jugendlichen. Dabei sollte es ein Dialog werden, geprägt von Ideen und Engagement. Frust und Enttäuschung machen sich breit. Ja, auch wir Erwachsenen haben derartige Empfindungen.

Wir sind einstimmig der Meinung, dass wir noch einen Versuch starten wollen, um Jugendliche für diesen Dialog zu gewinnen. Bisher wurden die Teilnehmer zum „Runden Tisch“ einschließlich der Jugendlichen schriftlich eingeladen. Grundlage war ein Beschluss des Jugend-, Familien-, Sozialausschusses der Gemeinde Herzebrock-Clarholz von Februar 2006, der ursprünglich ein 12 Personen starkes Gremium mit Vertretern des Kreisjugendamtes, der Jugendhäuser, der von-Zumbusch- Haupt- und Realschule u. a. festgelegt hatte. Neu ist der Vorschlag, den „Runden Tisch“ für alle Jugendlichen zu öffnen. Jugendliche, die sich angesprochen fühlen, engagiert und kontinuierlich mit uns zusammenzuarbeiten, sind herzlich eingeladen. Wir brauchen Euch für diesen Dialog, sonst reden wieder nur Erwachsene über Jugendliche und deren Belange. Wir wollen mit Euch neue Ideen entwickeln und Euer Engagement fördern.

Wir tun es für Euch, mit Euch. Vergebt diese Chance für Euch nicht und macht Euch auf den Weg!





Es ist Sonntag morgens

1 07 2007

(hc – Christian Vetere) Es ist Sonntag morgens. An einem Platz, auf dem wenige Stunden zuvor eine Party stattgefunden hat, die scheinbar einer „freie Pillen für alle“-Kampagne auf der Loveparade glich. Es ist an einem Ort, der sich mal Spielplatz nannte und der wie jedes Wochenende in einen Sammelcontainer für Altglas, Pfandflaschen und überhaupt jedem Müll umfunktioniert wird. Jetzt im Morgengrauen schaut er so aus, als sei eine Bombe unmittelbar in die Mülldeponie eingeschlagen. Rentner sprechen von teilweise schlimmeren Bildern, als man sie von den Orkanen und Erdbeben aus den Nachrichten kennt. Ahnungslose Hundebesitzer glauben ein Ufo sei abgestürzt, wenn der Wuffi plötzlich mit undefinierbarem Schrott im Mund aus dem Gebüsch springt. Das waren Jugendliche! (schallt es aus den umliegenden Seniorenküchen) Und tatsächlich: Man fragt sich mittlerweile immer häufiger, ob man einen Trend verpasst hat. Dieser Gedanke kommt einem häufig, bei dem Anblick einiger halbwüchsiger Biergenießer. Sie veranstalten Krawalle, wie sie beim G8 Gipfel an der Tagesordnung stehen. Doch bei der Frage nach dem „warum”, bekommt man zu hören, dass es „cool” sei, seinen Müll nicht wegzuräumen und das eigentlich unbewachsene Territorium der Parkbank mit Bier und Spucke zu bewässern. Doch wer setzt den Jugendlichen diesen Floh ins Ohr? Wer setzt diesen Trend und bestimmt, dass Müll und Dreck hinterlassen „cool” ist?

Es ist eine Minderheit, die trotz Erziehung und dem Anspruch an eigene Sauberkeit immer wieder die Definition eines Mülleimers verlernt. Und trotzdem sind alle, besonders die Jugendlichen mit einem halbwegs klaren Weltbild von dieser Problematik betroffen. Ein Kinderspielplatz, der Samstagabends zu einer „Wodkaflaschen -Weitwurf-Arena” mutiert, ist genauso uncool wie öffentliche Toiletten, die den Plumpsklos des mittelalterlichen Paris gleichen. Diese Dinge sind ein Bild für Jugendliche ohne Zivilcourage. Auch wenn es für einige von ihnen „uncool” ist, dieses Wort buchstabieren zu können, muss ihnen dieser