(hc – Bastian Becker) Beinahe jeder von uns nutzt es täglich – das Internet. Wir werden gerne in den Medien als die„Internetgeneration“ bzw. die „Generation der digitalen Informationstechnologie“ bezeichnet. Egal ob zur Recherche für Schule & Beruf, um neue Leute kennen zu lernen oder um sich ein „Second Life“ im Netz aufzubauen, geben wir oftmals ganz intime Dinge von uns preis – die uns früher oder später zum Verhängnis werden können. In diesem Artikel möchte ich nicht auf die „standardisierten“ Gefahren des Internets wie die auf keinen Fall ungefährliche Weitergabe von Adressdaten etc. in Chats eingehen.
Vielmehr geht es mir um Aufklärung in einem ganz bestimmten Fall: über die mögliche Verwendung der persönlichen Daten aus so genannten „social networks“. Jeder kennt sie – fast jeder nutzt sie: „YouTube“, „Flickr“, „MySpace“, „Schüler- bzw. StudiVZ“, „Second Life“ und Co. Blinkende Werbebanner buhlen um die junge Kundschaft – um vermeintlich unverzichtbare Nutzerprofile, um neue Leute kennen zu lernen, der Welt zu zeigen, was man doch für ein toller Hecht ist. Für Mama, Papa & Co. ein echter Schreck – für die Freunde ein toller Gag. Doch, wie wirkt der Inhalt dieser Seiten auf andere, z.B. den zukünftigen Chef? Stellen wir uns einmal folgende Szene vor: Tim Mustertyp bewirbt sich bei der Firma XYZ um einen Ausbildungsplatz als Industriekaufmann. Seine Noten sind okay, genauso wie sein Lebenslauf, sein Anschreiben und seine Praktikumszeugnisse. Als eines seiner Hobbies gibt er im Lebenslauf beiläufig, fast vernachlässigend, „Computer & Internet“ an. Daraufhin „googelt“ der Personalleiter Herr Ernst nach Tim Mustertyp – prompt findet sich sein MySpace-Profil auf Platz 1 der Googleliste. Der Personalleiter ist sehr interessiert an den letzten Einträgen in Tim’s Blog, die beinahe lückenlos sein Wochenendablauf beschreiben. „Geile Tussen, geiler Alk, geile Schlägerei!“ schreit ein Eintrag in seinem Blog fast nach dem Klick mit der Maus auf diesen Artikel. Herr Ernst, der Personalleiter, ist überrascht darüber, was Tim noch so alles als Hobbies aufführt und wie seine Freizeitgestaltung in Wirklichkeit aussieht. Nämlich ganz anders als im Lebenslauf. Den Ausbildungsplatz kann er nun jedenfalls vergessen, und das nur deshalb, weil er unbedingt seine Saufexesse im Internet der breiten Öffentlichkeit zur Schau stellen musste.
Also seit vorsichtig mit dem, was ihr im Internet über euch preisgebt. Auch wenn es vielleicht keine „Saufexesse“ sind, die sich später einmal negativ auf eure Berufschancen auswirken könnten, so sollte man stets im Hinterkopf behalten, dass jeder Eintrag den man mal geschrieben hat, eine lange Zeit im Internet erhalten bleibt, auch wenn er gelöscht worden ist. Google, Lycos, Yahoo und wie sie alle heißen sind sozusagen das Langzeitgedächtnis des Internets, sie finden Dinge, die eigentlich gar nicht mehr existieren. Und wenn auch dort mal nichts mehr zu finden ist, so findet man unter www.archive.org eine Möglichkeit, sich zurück zu beamen, in eine Zeit, in der man vielleicht noch ganz andere Ansichten vertreten hat als man es heute tut. Und das für immer und ewig. In diesem Sinne, erst überlegen – dann handeln. Das gilt im realen Leben wie auch im Internet. Mal so am Rande: Gut, dass ich einen Namensvetter als bekannten Fußballspieler habe. So sind die ersten Plätze bei Google schon für jemand anders reserviert
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