(hc – Bastian Becker) Es war mein erster Arbeitstag, ein Donnerstag, als Call-Center-Agent in Bielefeld. Ich war aufgeregt, aber nicht wegen des schlechten Wetters und des Windes, welches die Jalousinen am Hochhaus gegen die Fenster warf. Vielmehr beschäftigten mich fragen wie: „Wie werden meine Kollegen sein?“ „Welche Leute werde ich am Telefon haben?“ „Werde ich erfolgreich sein, darf ich weiter dort arbeiten?“. Die 4-Stunden Probearbeiten liefen wirklich gut, ich hatte 5 Produktabschlüsse, welches meiner Kollegin, die mich einarbeitete, mal eben 40€ Provision in die Kassen spülte. Ich war zufrieden, mein zukünftiger Chef auch. Als ich um 19 Uhr aus dem Großraumbüro in Richtung Ausgang ging, ahnte ich nicht, was mich erwartet. Das Wetter war noch schlechter als bisher. In Gedanken an die unzähligen Telefongespräche ging ich zum Bahnhof. Es waren unzählige Menschen im Bahnhofsgebäude von Bielefeld, mit seltsamen Schildern auf denen „Gütersloh“, „Beckum“, „Köln“ oder „Osnabrück“ stand. Ich dachte mir nichts dabei, und ging zum Bahnsteig. Der Bahnsteig war wie leergefegt. Ich wartete, und wartete, aber kein Zug kam. Nach einigen Minuten bemerkte ich, dass ein vollbesetzter InterCity auf dem Gleis gegenüber stand. Einige Fahrgäste schliefen, andere lasen ein Buch oder tranken etwas Bier. Auf einmal ertönte aus den Lautsprechern eine freundliche Stimme: „Meine Damen und Herren auf Gleis 1, die Nord-West-Bahn „Der Warendorfer“ nach Münster, über Rheda-Wiedenbrück, Warendorf, Telgte, planmäßige Abfahrtszeit 19:14, ist aufgrund umgestürzter Bäume auf den Gleisen bis auf unbestimmte Zeit verspätet“ . Etwas entgeistert schaute ich auf die Anzeigetafel meines Bahnsteiges. „Nord-West-Bahn „Der Warendorfer“ – auf unbestimmte Zeit verspätet“. Wie bitte? Ich sehe einen Mann vom Bundesgrenzschutz, er spricht mit 2 weiteren Personen. Nach kurzem zuhören frage ich nach, wie lange das wohl dauern würde, bis wieder ein Zug fährt. Er schaute mich etwas prüfend an und meinte gelassen: „Heute werden Sie wohl nirgends mehr mit der Bahn hinfahren können. Alle Züge sind ersatzlos gestrichen!“. Na klasse. Ich stehe mitten im Winter auf einem Bahnhof, es ist kalt, nass, stürmig und dunkel. Ich habe kaum Geld mit, nichts zu essen, nichts zu trinken. Wie es weiter geht? Das erfahrt ihr in einem Monat in der nächsten Ausgabe der Jugendseite.
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